„Dann verkaufen wir eben das Haus“

– Gemeinsames Haus nach der Trennung

Je schneller sich zwei Menschen nach ihrer Trennung auf den Verkauf des gemeinsamen Hauses einigen, desto schwieriger werden häufig die nächsten Gespräche.

Das überrascht. Denn eigentlich müsste doch das Gegenteil gelten. Die größte Vermögensposition ist geklärt. Der schwierigste Punkt erledigt.

Tatsächlich ist der Hausverkauf selten der Abschluss einer Trennung. Meist ist er ihr Anfang.

📌  Der Verkauf löst noch keine einzige Folgeentscheidung

Mit der Entscheidung, das Haus zu verkaufen, scheint Klarheit geschaffen. Tatsächlich werden jetzt erst die Fragen sichtbar, die vorher im Hintergrund standen.

Wer bleibt bis zum Verkauf in der Immobilie? Zieht einer sofort aus oder erst nach dem Notartermin? Wie werden Darlehen, Nebenkosten und notwendige Reparaturen getragen? Muss jeder Kaufinteressent akzeptiert werden? Darf auf einen besseren Preis gewartet werden? Was geschieht, wenn sich der Verkauf über Monate hinzieht?

Je konkreter diese Fragen werden, desto deutlicher zeigt sich: Der Verkauf war keine Lösung. Er war lediglich der kleinste gemeinsame Nenner.

📌  Über das Haus wird gesprochen. Gemeint ist häufig etwas anderes.

Wer den Verkauf möglichst schnell möchte, sucht nicht zwingend den höchsten Kaufpreis. Vielleicht möchte er endlich Abstand gewinnen. Vielleicht braucht er Liquidität, um neu anzufangen.

Wer das Haus behalten möchte, denkt nicht zwangsläufig an den Immobilienwert. Vielleicht geht es um Stabilität für die Kinder. Vielleicht um das Zuhause, das über Jahre gemeinsam entstanden ist. Vielleicht darum, nicht noch mehr zu verlieren.

Deshalb führen dieselben Zahlen zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Nicht weil einer falsch rechnet, sondern weil beide von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen.

📌  Die entscheidende Frage lautet häufig gar nicht: Verkaufen oder behalten?

In der Mediation zeigt sich immer wieder ein anderer Zusammenhang.

Erst wenn geklärt ist, wie die Kinder künftig betreut werden, ob einer die Immobilie wirtschaftlich übernehmen kann, welche Rolle Unterhalt und Zugewinnausgleich spielen und wie beide sich ihre Zukunft vorstellen, lässt sich sinnvoll über das Haus entscheiden.

Die Reihenfolge ist entscheidend. Wer mit der Immobilie beginnt, verhandelt häufig über das Ergebnis. Wer mit der Zukunft beginnt, findet oft leichter den Weg dorthin.

💡 Mein Gedanke

Viele Trennungen scheitern nicht an der Entscheidung über das Haus. Sie scheitern daran, dass das Haus zur ersten Entscheidung wird, obwohl es häufig die letzte sein müsste.

Weiterführender Beitrag

👉 Zugewinnausgleich bei Scheidung – was mit der gemeinsamen Immobilie geschieht